14 Abschied der Gladiatoren

Heute ist von Hermann Ludwig Blankenburgs umfangreichem Werk nur noch ein vergleichsweise kleiner Teil erhalten. Grund dafür ist v.a. die Tatsache, dass sein Weseler Haus, in dem er den größten Teil seiner Partituren archiviert hatte, zunächst bei einem Luftangriff schwer beschädigt und dann nach Kriegsende von einquartierten Soldaten und Zwangsarbeitern verwüstet worden ist. Erhalten sind von den mindestens 1.200 komponierten Märschen (belegt durch Angaben bei seinen Musikverlagen oder Jahreslisten neu veröffentlichter Kompositionen) noch etwa drei- bis vierhundert; insbesondere die Internationale Blankenburg-Vereinigung ist bemüht, das vorhandene Material zu katalogisieren und Verlorenes wiederzubeschaffen.
Die Marschkompositionen Blankenburgs sind aufgrund ihrer sehr klangvollen Harmonien und einem fast sinfonischen Charakter zum größten Teil Konzert-, keine Marschiermärsche. Charakteristisch ist insbesondere die Gestaltung des Trios, in dem Blankenburg meist das jeweilige Thema zweimal wiederholt und dann nach einer steigernden Überleitung in ein klanggewaltiges Finale münden lässt.
Heute sind die Märsche Blankenburgs eher im Ausland als in Deutschland selbst populär. Beispiele dafür sind seine Werke „Deutschlands Waffenehre“ und „Adlerflug“, die als Militärmärsche für die schwedische Armee übernommen wurden, ersterer für die Taktische Akademie des Heeres, letzterer für die Marineflieger.
Sein heute bekanntester Marsch ist wohl „Abschied der Gladiatoren“, mit dem er 1905 einen Kompositionswettbewerb des renommierten britischen Musikverlages Boosey & Hawkes gewinnen konnte. Der Marsch hieß ursprünglich „Deutschlands Fürsten“, wurde dann aber mit Rücksicht auf die Zeitumstände umbenannt; eventuell stand für den neuen Titel der Marsch Einzug der Gladiatoren von Julius Fučík Pate. In England wurde der Marsch unter dem Titel „The Gladiators´ Farewell“ ungemein populär und gehört dort auch heute noch zu den meistgespielten Märschen.